Ein Hundebaby stellt alles auf den Kopf
Als Oscar, unser Mini Australian Shepherd, als Welpe bei uns einzog, war die Freude riesig und die Liste der offenen Fragen noch größer. Was braucht er wirklich? Wie viel Bewegung ist genug? Wie halte ich ihn sicher, ohne ihn einzusperren?
Genau für solche Momente habe ich das Welpen-ABC zusammengestellt. Kein langes Drumherumreden, sondern kompaktes Wissen von A bis Z – direkt aus der Praxis, für alle, die gerade frisch in die Welpenzeit gestartet sind oder sich vorbereiten möchten.
A wie Ausstattung
Die richtige Ausstattung ist das A und O für einen guten Start und für ein glückliches Hundeleben. Hier ist, was du wirklich brauchst:
Für den Abholtag:
- Hundebox oder Transportkorb
- Decke mit vertrautem Geruch aus dem alten Zuhause
- Napf, Leckerlis, Leine, Geschirr, Spielzeug
Für zuhause:
- Hundebett und extra Decke
- Zwei Näpfe – Wasser und Futter getrennt
- Trocken- und Nassfutter (am besten, das, was der Welpe bis dahin bekommen hat), Unterlage
Für unterwegs:
- Snackbeutel
- Kotbeutel
Für die Pflege:
- Krallenzange, Striegel, Zeckenzange
- Erste-Hilfe-Kit
Versicherung & Anmeldung:
- Haftpflichtversicherung abschließen
- Hund beim Einwohnermeldeamt und bei der Gemeinde anmelden
- Tierarzt suchen und ersten Termin vereinbaren
B wie Bewegung
Weniger ist mehr – gerade bei Welpen. Die Faustregel lautet: 5 Minuten Bewegung pro Lebensmonat, zweimal täglich. Ein drei Monate alter Welpe braucht also rund 15 Minuten pro Spaziergang.
Klingt wenig? Ist aber wichtig. Zu viel Belastung schadet den noch wachsenden Gelenken und Knochen erheblich. Treppensteigen sollte in den ersten Monaten vermieden werden – übt ihr Stufen, dann maximal zwei bis drei, damit kein Angstgefühl entsteht.
💡 Tipp: Mehr Bewegung bedeutet nicht mehr Abenteuer. Schnüffelrunden, Suchspiele im Garten oder kurze Trainingseinheiten sind wertvoller als lange Spaziergänge.
C wie Charakter kennenlernen
Jeder Welpe ist anders. Oscar war von Anfang an neugierig, verspielt und unglaublich aufmerksam – typisch Mini-Aussie. Dein Welpe bringt seinen eigenen Charakter mit, der sich in den ersten Wochen nach und nach zeigt.
Beobachte ihn: Ist er eher mutig oder vorsichtig? Verspielt oder ruhig? Je besser du seinen Charakter kennst, desto gezielter kannst du auf seine Bedürfnisse eingehen – bei der Erziehung, beim Spielen und beim Aufbau von Vertrauen.
D wie Durchhalten in schwierigen Momenten
Es gibt Nächte, in denen der Welpe nicht schläft. Tage, an denen schon wieder etwas zerbissen wurde. Momente, in denen man sich fragt, ob man wirklich bereit war.
Das ist normal. Und es geht vorbei. Die Welpenzeit ist intensiv, aber sie ist auch endlich. Was bleibt, ist eine Bindung, die auf diesen gemeinsamen, manchmal chaotischen Erfahrungen aufgebaut wurde. Durchhalten lohnt sich.
E wie Erste Tierarztbesuche
Bevor du mit deinem Welpen in die Hundeschule gehst oder ihn anderen Hunden vorstellst, sollten alle Grundimpfungen abgeschlossen sein. Beim ersten Tierarztbesuch werden in der Regel Grundimpfungen, eine Entwurmung und ein allgemeiner Gesundheitscheck durchgeführt.
Mach den Besuch beim Tierarzt so positiv wie möglich – mit Leckerlis, ruhiger Stimme und viel Geduld. Was dein Welpe jetzt als sicher erlebt, bleibt ihm im Gedächtnis.
F wie Fütterung
Ein Welpe wird nicht dick, nur groß – aber falsche Fütterung kann das Wachstum tatsächlich negativ beeinflussen. Deshalb ist es wichtig, von Anfang an auf die richtige Ernährung zu achten.
Das solltest du bei der Fütterung beachten:
- Bekannte Fütterungszeiten von Anfang an einhalten – das gibt Struktur und Sicherheit
- Futterwechsel immer langsam durchführen, nie abrupt umstellen
- Hochwertiges, altersgerechtes Welpenfutter verwenden
- Den Welpen einmal pro Woche wiegen und mit der Wachstumskurve abgleichen
- Das Futter sollte zur Größe und zum Alter des Hundes passen
💡 Praxistipp: Wenn du das Futter aus dem ersten Zuhause nicht kennst, frage deinen Tierarzt nach einer geeigneten Übergangslösung, um Magenprobleme zu vermeiden.
G wie Geduld – die wichtigste Zutat
Kein Welpe lernt über Nacht. Kein Mensch wird über Nacht zum perfekten Hundehalter. Geduld ist die wichtigste Ressource in der Welpenzeit – für dich und für deinen Hund.
Was heute noch nicht klappt, klappt morgen vielleicht. Oder nächste Woche. Bleib konsequent, bleib ruhig und feiere kleine Fortschritte. Positive Verstärkung funktioniert besser als Druck.
H wie Hundeschule – wann ist der richtige Zeitpunkt?
Die Hundeschule ist eine tolle Ergänzung – aber nicht der erste Schritt. Bevor du mit deinem Welpen in den Kurs gehst, sollten zwei Dinge erfüllt sein: alle Grundimpfungen sind abgeschlossen und zwischen dir und deinem Welpen ist bereits eine grundsätzliche Bindung entstanden.
Eine gute Hundeschule arbeitet mit positiver Verstärkung, gibt dir praktische Tipps für den Alltag und schult auch dich als Halter – nicht nur den Hund.
I wie Ich-Zeit für den Welpen
Welpen brauchen nicht nur Gesellschaft – sie brauchen auch Zeit für sich. Ruhephasen sind keine Strafe, sondern Erholung. Ein Welpe, der sich zurückziehen kann, ohne gestört zu werden, lernt, sich selbst zu regulieren.
Statte seinen Schlafplatz so aus, dass er sich dort wirklich sicher fühlt: weich, ruhig und geschützt. Und lass ihn in Ruhe schlafen – auch wenn er noch so zum Kuscheln einlädt.
J wie Jaulen und Weinen – was steckt dahinter?
Gerade in den ersten Nächten jaulen viele Welpen – sie vermissen ihre Wurfgeschwister und die vertraute Umgebung. Das ist normal und kein Zeichen, dass du etwas falsch machst.
Was helfen kann:
- Schlafplatz nah am Bett aufstellen
- Ein getragenes T-Shirt mit deinem Geruch in die Box legen
- Ein wärmendes Körnerkissen oder eine Wärmflasche (nicht zu heiß)
- Ruhige, gleichmäßige Anwesenheit – kein aufgeregtes Trösten
K wie Körperkontakt und Anfassen üben
Dein Welpe sollte frühzeitig lernen, dass er am ganzen Körper angefasst werden darf – Ohren, Pfoten, Maul, Bauch. Das ist nicht nur für Streicheleinheiten wichtig, sondern auch für Tierarztbesuche, Pflege und den Alltag.
Übt das spielerisch und mit Leckerlis. Wer das früh trainiert, spart sich später viel Stress und der Hund bleibt entspannt, wenn er untersucht wird.
L wie Leinenführigkeit
Ein gutsitzendes Geschirr ist die Grundlage für entspanntes Spazierengehen. Das Halsband sollte bei Welpen nur dann genutzt werden, wenn man Laufen ohne Zerren und Ziehen übt – ein Geschirr schützt die empfindliche Halswirbelsäule beim Zug an der Leine.
Übe Leinenführigkeit in ruhiger Umgebung, ohne Ablenkung. Belohne jeden Moment, in dem die Leine locker bleibt. So entsteht ein entspanntes Miteinander und keine Zerreinheit.
M wie Maulkorbtraining
Einen Maulkorb sollte man nie in einer stressigen Situation anlegen – ohne vorherige Gewöhnung. Sonst verknüpft der Welpe das Hilfsmittel mit negativen Erlebnissen, und jede spätere Nutzung wird zur Qual.
Trainiere den Maulkorb frühzeitig und spielerisch: Leckerli rein, Hund schnuppert, positive Verstärkung. Schritt für Schritt, immer in entspannter Atmosphäre. Das Gleiche gilt für das Anfassen am ganzen Körper – früh üben, damit der Hund gelernt hat, dass das in Ordnung ist.
N wie Neue Menschen und Sozialisierung
Die ersten Wochen sind entscheidend für die Sozialisation deines Welpen. Neue Menschen, Geräusche, Umgebungen – all das prägt, wie er später mit der Welt umgeht.
Aber: Weniger ist mehr. Aufgeregte Großveranstaltungen oder zu viele Besucher auf einmal überfordern schnell. Stelle neue Menschen in möglichst kleinem Kreis vor und lass den Welpen selbst entscheiden, wann er auf jemanden zugeht. Das stärkt sein Selbstbewusstsein.
💡 Tipp: Auch Kinder sollten ruhig und respektvoll mit dem Welpen umgehen. Erkläre ihnen, wie man sich einem Hund nähert und dass der Hund auch Nein sagen darf.
O wie Ordnung im Alltag
Welpen lieben Routine. Feste Fütterungszeiten, regelmäßige Spaziergänge und vorhersehbare Abläufe geben ihnen Sicherheit. Was sich anfangs nach Einschränkung anfühlt, ist in Wirklichkeit das Fundament für ein entspanntes Zusammenleben.
Legt von Anfang an fest: Wann wird gefüttert? Wann geht es raus? Wer übernimmt welche Aufgaben? Ein strukturierter Alltag macht sowohl dem Welpen als auch dir das Leben leichter.
P wie Pfotenpflege und Körperpflege
Krallen, Fell, Ohren, Zähne – Pflege gehört von Anfang an zum Alltag. Je früher dein Welpe lernt, dass Pflege normal und angenehm ist, desto einfacher wird es später.
- Krallen regelmäßig kontrollieren und kürzen (beim Tierarzt oder Hundefriseur)
- Fell je nach Rasse bürsten – beim Mini-Aussie regelmäßig wichtig
- Ohren kontrollieren, nicht tief reinigen
- Zähneputzen früh gewöhnen – es gibt spezielle Hundezahnpasta
Q wie Qualität statt Quantität
Das gilt für Futter, Spielzeug und auch für deine Zeit mit dem Welpen. Lieber 15 Minuten volles, aufmerksames Miteinander als stundenlange Anwesenheit mit halbem Blick auf das Handy.
Welpen registrieren sehr genau, ob du wirklich bei ihnen bist. Kurze, intensive Trainingseinheiten wirken besser als lange, unkonzentrierte. Qualität zählt.
R wie Ruhe – unterschätzter Faktor Nr. 1
Welpen schlafen bis zu 18 bis 20 Stunden am Tag. Das ist kein Zeichen von Faulheit – es ist biologische Notwendigkeit. Zu wenig Ruhe führt zu erhöhtem Stresspegel und das ist gesundheitsschädlich.
Ein Welpe, der abends aufgedreht ist und nicht zur Ruhe kommt, ist oft nicht zu wenig ausgelastet, sondern überstimuliert. Viele Eindrücke und zu wenig Ruhe führen zu einer Stressentladung – die sich in übermäßigem Spielen, Bellen oder Zerstören zeigt.
S wie Sicherheit und Stabilität in der Eingewöhnung
Plane für die Eingewöhnungszeit idealerweise 14 Tage (oder mehr) Urlaub ein. Dein Welpe braucht jemanden, der da ist – der eine sichere Basis bildet, während er seine neue Welt erkundet.
Richte einen sicheren Schlafplatz neben dem Bett ein. Lass den normalen Alltag schon in dieser Zeit beginnen – so gewöhnt sich der Welpe direkt an die echten Abläufe, nicht an eine künstliche Schonzeit.
💡 Wichtig: Der normale Alltag sollte in dieser Zeit schon gelebt werden – sonst ist die Entwöhnung nach dem Urlaub doppelt so schwer.
T wie Training mit positiver Verstärkung
Hunde lernen am besten durch Lob und Belohnung – nicht durch Druck oder Strafe. Positive Verstärkung bedeutet: Zeig dem Welpen, was du von ihm möchtest, belohne es sofort und konsequent.
Kurze Trainingseinheiten von 3 bis 5 Minuten sind effektiver als lange Sessions. Hör auf, wenn es gut läuft – nicht, wenn der Hund müde und frustriert ist. So bleibt das Training positiv besetzt.
U wie Unterwegs mit dem Welpen
Autofahren will gelernt sein. Gewöhne deinen Welpen frühzeitig ans Auto – mit kurzen Fahrten, positiver Stimmung und einer sicheren Transportbox. Wer das früh trainiert, hat später entspannte Reisen.
Auch öffentliche Verkehrsmittel, belebte Straßen oder Märkte sind gute Sozialisierungsorte – in kleinen Dosen und immer mit Rückzugsmöglichkeit.
V wie Vertrauen aufbauen – die Basis für alles
Vertrauen ist keine Selbstverständlichkeit – es entsteht durch konsequentes, liebevolles Verhalten über Zeit. Dein Welpe lernt: Du bist verlässlich. Du bist sicher. Bei dir kann ich ich sein.
Sei berechenbar. Halte Regeln ein. Reagiere ruhig auf Fehler. Und feiere Erfolge. Genau das ist die Grundlage für eine starke Bindung und für ein Leben, das ihr beide genießen könnt.
W wie Wachstum und Entwicklung
Der größte Wachstumsschub beim Welpen findet zwischen dem dritten und sechsten Lebensmonat statt. Die endgültige Größe ist genetisch festgelegt – bei einem Mini-Aussie wie Oscar überschaubar, aber trotzdem wichtig im Blick zu behalten.
Falsche Fütterung – zu viel, zu wenig oder das falsche Futter – kann das Wachstum negativ beeinflussen. Deshalb: Welpen regelmäßig wiegen und die Entwicklung mit der rassenspezifischen Wachstumskurve vergleichen. Im Zweifel: Tierarzt fragen.
X wie X-Faktor: Deine eigene Energie
Hunde sind Meister darin, die Stimmung ihres Menschen zu lesen. Bist du gestresst, überträgt sich das. Bist du ruhig und sicher, gibt das deinem Welpen Orientierung.
Deine Energie ist der X-Faktor in der Erziehung. Nicht laut, nicht dominant – sondern klar, ruhig und präsent. Das ist es, was Welpen wirklich brauchen: einen Menschen, dem sie vertrauen können.
Y wie Yes! – Belohnen was klappt
Klingt simpel, wird aber oft vergessen: Belohne deinen Welpen aktiv dafür, dass er etwas richtig macht. Liegt er ruhig auf seinem Platz? Lob! Kommt er auf Ruf? Jackpot!
Viele Halter reagieren nur, wenn etwas schiefläuft und ignorieren die vielen Momente, in denen der Hund genau das tut, was man sich wünscht. Ändere das. Dein Welpe wird schnell verstehen, was sich lohnt.
Z wie Zuhause sicher machen
Bevor dein Welpe einzieht, sollte das Zuhause welpensicher sein. Hier die wichtigsten Punkte:
- Treppen sperren oder absichern
- Giftige Pflanzen entfernen (z. B. Lilie, Primel, Alpenveilchen)
- Kabel und Steckdosen sichern
- Essbares wegräumen (Trauben, Schokolade, Zwiebeln sind giftig)
- Wertvolles und Kleinkram wegsperren
- Chemikalien und Reinigungsmittel sicher verschließen
💡 Tipp: Gehe einmal auf Kniehöhe durch deine Wohnung – so siehst du, was dein Welpe sieht. Das hilft, versteckte Gefahrenquellen zu entdecken.
Fazit – Das Welpen-ABC als dein Begleiter
Von A bis Z: Die Welpenzeit steckt voller Überraschungen, Herausforderungen und unglaublich schöner Momente. Mit dem richtigen Wissen im Gepäck kannst du entspannter in diese Phase starten und das gemeinsame Leben von Anfang an genießen.
Oscar hat uns gezeigt, wie viel Freude, Chaos und bedingungslose Zuneigung ein kleiner Hund ins Leben bringen kann. Wenn du gut vorbereitet bist und geduldig bleibst, wird die Welpenzeit zu einer der schönsten Phasen, die du je erlebt hast.
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Disclaimer: Dieser Beitrag basiert auf meinen persönlichen Erfahrungen und Tipps aus dem Alltag mit meinem Hund. Ich bin keine Tierärztin, Ernährungsberaterin oder Trainerin. Meine Inhalte dienen nur der Inspiration. Manche Links sind Affiliate-Links*, d. h. ich erhalte eine kleine Provision, wenn du darüber bestellst – für dich bleibt der Preis gleich.